skyline Kassel
04
Nov
2023
werra-rundschau.de

Kulturverein Abterode präsentiert das Wirken von Luthers Ehefrau

Anlässlich des Reformationstags hat der Kulturverein Abterode die Künstlerin Andrea C. Ortolano in die Abteröder Kirche eingeladen, die Katharina von Bora spielte. Abterode – Starke Frauen sind ihre Leidenschaft: Andrea C. Ortolano hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Leben und wirken bedeutender Protagonistinnen der Zeitgeschichte mit ihrem „Ein-Frau-Theater“ einem großen Publikum zu präsentieren. Anlässlich des Reformationstags hat der Kulturverein Abterode die Künstlerin in die Abteröder Kirche eingeladen, um das Leben Katharina von Boras, der Ehefrau des Reformators Martin Luther, zu beleuchten. „Eine entlaufene Nonne und ein abtrünniger Mönch treten in den Bund der Ehe ein“, pointiert Ortolano schmunzelnd die Bedeutung der Heirat von Katharina von Bora und Martin Luther. Mit inneren Monologen und Gebeten reflektiert sie die bewegte Geschichte von Boras und fokussiert gekonnt ihre Gefühls- und Gedankenwelt: Ihre Fassungslosigkeit, aber auch das innere Ringen über Luthers Schriften und Thesen wird dem Publikum hautnah vor Augen geführt. Stilistisch prägnant fallen zum richtigen Zeitpunkt Flugblätter mit Luthers Thesen von der Kirchendecke, um die Bedeutung des Buchdrucks zu unterstreichen. Luther befreit die Nonnen aus Von Boras Kloster und beginnt, sie zu verheiraten, wobei sie selbst „zu klug, neugierig und nicht vermittelbar“ sei. Luther hält schließlich selbst um ihre Hand an und weiß seitdem eine stützende und theologisch versierte Frau an seiner Seite, die ihn bei zahlreichen Tischgesprächen und Diskussionen fordert und seine Perspektiven entwickelt. Parallel gelingt es Ortolano, einschneidende Erlebnisse aus Luthers Leben zu beleuchten: Nach dem Thesenanschlag, dem Reichstag zu Worms und der Bibelübersetzung stehen besonders der Bauernaufstand und die Radikalisierung einiger Mitstreiter Luthers im Vordergrund. Von Bora schafft es, ein florierendes Kloster mit Landwirtschaft, Viehzucht, Brauerei und einem essenziellen Heilkräutergarten zu bewirtschaften. Nebenbei werden zahlreiche Kinder, darunter eigene und angenommene, leidenschaftlich umpflegt. Auch als die Pest wütet, weigert sie sich, zu fliehen und versorgt stattdessen die Kranken. Ortolanos ausdrucksstarke Inszenierung wird von Gerd Hallaschka als Musiker und auktorialem Erzähler gestützt: Zeitgenössische Songs wie „Die Gedanken sind frei“ oder „Er gehört zu mir“ untermauern die Performance kreativ und humorvoll. Ortolano schreibt seit 35 Jahren eigene Stücke, mit denen sie bundesweit überwiegend alleine auftritt. Musikalisch begleitet wird sie von Hallaschka als erfahrenem Musiker und Sänger, indem er in das Stück eingreift, sobald das Ein-Frau-Ensemble personell an seine Grenzen stößt. Ingo Wetzel, erster Vorsitzender des Kulturvereins, hat Ortolano über Sylvia Weinert vom Werra-Meißner-Kreis kennengelernt. Nach „Rock in Abterode“ soll das Portfolio des jungen Vereins um vielfältige Formate wie Theaterstücke und Lesungen erweitert werden: „Dieses Stück in der Kirche am Reformationstag kommt genau zur richtigen Zeit“, so Wetzel. (Lorenz Schöggl)https://www.werra-rundschau.de/lokales/meissner-berkatal/meissner-ort639219/kulturverein-abterode-praesentiert-das-wirken-von-luthers-ehefrau-92653422.html?itm_source=story_detail&itm_medium=interaction_bar&itm_campaign=share

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